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Dez 16 2014

Vortragsabend Regionalkreis West am 09.12.2014 mit Generalleutnant Dipl.-Kfm. (univ.) Martin Richard Schelleis, Kommandeur Kommando Einsatzverbände Luftwaffe, zum Thema „Aktueller Sachstand Luftwaffe“

GenLt Martin Schelleis

GenLt Martin Schelleis

Bereits im Oktober 2010 trug der damalige Stabsabteilungsleiter III im Führungsstab der Luftwaffe, Brigadegeneral Dipl.-Kfm. Schelleis, beim Regionalkreis West zum Thema „Unsere Luftwaffe – Herausforderungen im 21. Jahrhundert“ vor. Obwohl zwischenzeitlich nur vier Jahre in´s Land gegangen sind, hat sich in dieser kurzen Zeit durch die noch von Bundesminister de Maizière initiierte Neustrukturierung nicht nur der Streitkräfte, sondern der Bundeswehr insgesamt sehr vieles grundlegend verändert.

Vor gut zwei Jahren hat dann Generalleutnant Dieter Naskrent, damals neu auf dem Dienst posten Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe, vor unserem Kreis zur neuen Struktur der Luftwaffe vorgetragen, die sich zu dieser Zeit noch in statu nascendi befand.
Mittlerweile hat die Luftwaffe, wie die übrigen Teilstreitkräfte, die militärischen und zivilen Organisationsbereiche, die Zielstrukturen weitestgehend eingenommen. Ruhe ist im gesamten Veränderungsprozess der Bundeswehr nicht eingetreten. Zwar hat die seit nunmehr fast zwölf Monaten im Amt befindliche Bundesministerin der Verteidigung, abgesehen vom Bereich Rüstung, die Strukturen nicht erneut verändert, gleichwohl ist die Bundeswehr in allen Medien quasi zum fast ständigen Tagesthema geworden. Nicht zuletzt die Luftwaffe sieht sich wegen der unzureichenden Einsatzbereitschaft der mit Tornado und Eurofighter ausgestatteten taktischen Luftwaffengeschwader sowie der altersbedingt hohen Ausfallraten des Transportflugzeugs C-160 Transall und auch des vom Heer übernommenen betagten mittleren Transporthubschraubers CH-53 der Kritik ausgesetzt.
Vor dem Hintergrund der erst im Juli 2013 eingenommenen Struktur der Luftwaffe mit dem Kommando Luftwaffe und dem diesem unterstellten drei höheren Kommando- behörden Kommando Einsatzverbände Luftwaffe (KdoEinsVbdeLw), Kommando Unterstützungsverbände Luftwaffe (KdoUstgVbdeLw) und Zentrum Luftoperationen (ZentrLuftOp) erwarteten die Teilnehmer der Veranstaltung eher einen aktuellen Sachstandsbericht zu eben dieser neuen Struktur, aber weniger grundlegend Neues. Zum Erstaunen der meisten zeigte GenLt Schelleis jedoch eine mehr als nur marginale Neustrukturierung der Luftwaffenführungsorganisation, die schon im kommenden Jahr 2015 eingenommen werden soll. Aus dem derzeitigen UStgKdoLw werden Anteile ausgegliedert, aus denen aktuell ein neugeschaffenes Luftfahrtamt Bundeswehr entsteht. Das bisherige UStgKdoLw fusioniert mit dem KdoEinsVbdeLw, dem schon bislang größten der drei Kommandos, zum künftigen Luftwaffentruppenkommando. Das Zentrum Luftoperationen bleibt unangetastet. Die Luftwaffenführung verspricht sich von dieser Überarbeitung der Struktur eine bessere Führungsleistung und weniger Reibungsverluste. Dadurch, dass das neue Kommando und auch das neue Amt weiterhin am größten Luftwaffenstandort Köln-Wahn stationiert bleiben, gibt es auch kaum Aufregung unter den Soldaten und zivilen Mitarbeitern, denen erneut eine Versetzung auf einen anderen Dienstposten bevorsteht.
Im weiteren Verlauf seines Vortrages ging der Referent u.a. auch auf die Personal-situation der Luftwaffe ein, die sich derzeit noch als durchaus zufriedenstellend darstellt. Im Hinblick auf die alle Bereiche der zivilen Wirtschaft und auch des öffentlichen Dienstes absehbar tangierenden Herausforderungen der demographischen Veränderungen, werden sich aber erkennbar Probleme bei der Gewinnung speziell des fliegerischen Nachwuchses ergeben. Dies unter anderem deshalb, weil die Anforderungen modernster Flugzeuge und die physische und psychische Eignung der Bewerber nicht in jedem Fall uneingeschränkt in Deckung zu bringen sind und auch die Attraktivität ziviler Beschäftigungsverhältnisse den Dienst bei der Bundeswehr oftmals überstrahlt.
Zum fliegerischen Gerät führte GenLt Schelleis aus, dass die Ausphasung altbewährter Flugmuster, wie der Transall C-160 oder der Sikorsky CH-53, sich nicht weiter schieben lassen wird, weil die Maschinen ihr Limit definitiv erreicht haben und die Ersatzteilversorgung an Grenzen stößt. Insofern ist der noch in diesem Jahr beginnende sukzessive Zulauf speziell des neuen Transportflugzeugs Airbus A-400 M unverzichtbar, auch wenn die ersten Maschinen noch nicht über das gesamte militärisch notwendige Fähigkeitsprofil verfügen und im Betrieb dann noch nachgerüstet werden müssen. Speziell von diesem Flugzeug war der Referent, der die Maschine schon selbst fliegen konnte, total begeistert. Seines Erachtens wird die Luftwaffe  damit ein hervorragendes Flugzeug erhalten und einen Quantensprung in der Lufttransportfähigkeit erleben.
Dem Vortrag schloss sich, wie stets bei den Veranstaltungen im Regionalkreis West, eine lebhafte Diskussions- und Fragerunde an. GenLt Schelleis hat mit seinem informativen und ungeschminkten Vortrag die Erwartungen des Teilnehmerrunde nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen.

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