Feb 01 2018

„Keiner kommt durch“ – Vortrag von Dietmar Schultke beim RK Nord am 16.01.2018

Dietmar Schultke diente zwischen 1987 und 1988 als Wehrpflichtiger der NVA an der innerdeutschen Grenze. Er berichtete über seine Erlebnisse als DDR-Bürger mit dem Grenzregime der DDR. Sein Vortrag basiert auf seinen beiden Bücher zur innerdeutschen Teilung: „Keiner kommt durch“ und „Die Grenze, die uns teilte“.

Einleitung

Schultke stellte seine persönlichen Erlebnisse als Wehrpflichtiger an der DDR-Grenze in den historischen Kontext und schilderte, wie der Überwachungsapparat der Grenztruppe funktionierte. Von den ca. 50.000 Soldaten der Grenztruppen waren über zwei Drittel Wehrpflichtige, die ihren 18-monatigen Wehrdienst ableisteten. Diese wurden nach besonderen Kriterien ausgewählt. Nicht die ideologische Überzeugung (SED-Mitgliedschaft) spielte eine wichtige Rolle, sondern die Frage, ob der Jugendliche Verwandte 1. oder 2. Grades in Westdeutschland hatte.

Ausbildung und Grenzsoldaten

Während der dreimonatigen Grundausbildung erfolgte eine weitere Kategorisierung der Grenzsoldaten in 7 Vertrauensstufen: Je staatstreuer, umso näher durften sie bis unmittelbar an die Grenzlinie heran. Schultke erhielt die 6. Kategorie und diente im Hinterland im Harz. Sein Einsatzort war der Brocken bis unmittelbar an die Brockenmauer. Dahinter befanden sich die Abhöranlagen der Stasi und der Roten Armee sowie eine Wetterstation. Das Thema „Anwendung der Schusswaffe“ im Grenzdienstalltag wurde ausführlich behandelt.

Wehrpflichtige als Grenzsoldaten

Wehrpflichtige durften nie allein in den Grenzdienst, sondern nur als Postenpaar. Befreundete Grenzer kamen nicht in den Grenzdienst, da die Gefahr einer Gruppenflucht gesehen wurde. Die Postenzusammensetzung wurde erst unmittelbar vor Antritt des Grenzdienstes bekanntgeben. Bei jedem Fluchtversuch war von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. „Misstrauen war der „Klebstoff, der das Grenzregime unter den Wehrpflichtigen zusammenhielt“, so Schultke. Er selbst zeigte sich erleichtert, dass er nie einen Flüchtigen festnehmen musste.

Vergleich mit Nord-Korea

Am Ende des Vortrags berichtete Schultke von einer Reise an die Grenze zwischen Nord- Südkorea. Dort sei die Situation heute vergleichbar mit der, die er als Grenzsoldat erleben musste.

Dietmar Schultke als Wehrpflichtiger der Grenztruppen

Dietmar Schultke bei seinem Vortrag (Mitte, stehend)

 

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