„Stay behind – Planungen der US-Streitkräfte im Kalten Krieg“ – RK BERLIN am 25.10.2018

Vortrag von Friedrich K. Jeschonnek vor dem Regionalkreis Berlin am 25. Oktober 2018

Bewaffnete und unbewaffnete Kräfte, die in einem vom Feind besetzten Gebiet verbleiben, um dort Informationen zu gewinnen, Sabotage bzw. Handstreiche gegen Kräfte der Besatzungsmacht durchzuführen oder auch Widerstandsbewegungen zu aktivieren, hat es zu allen Zeiten gegeben, in den vor allem größere und raumgreifende Kriege geführt wurden.

So verfügte im Kalten Krieg die US Garnison in Berlin seit 1956 über eine besonders ausgebildete, geheim gehaltene Spezialeinheit, das 39. Special Forces Detachment, auch genannt Detachment – A Berlin, das im Kriegsfalle tief im Wirkungsbereich des Warschauer Paktes in und um Berlin militärische Handlungen durchgeführt hätte. Diese bezeichneten sich als „Stay behind“ (Rücklasskräfte). Zu ihren Aufgaben gehörten im Kriegsfalle die Unterstützung im Aufbau ostdeutscher Widerstandsbewegungen, Tiefenaufklärung und Zielmarkierung, Aufnehmen und Schleusen überlebender Besatzungen von Kampfflugzeugen, Sabotage und Kommandounternehmen.

In einem Vortrag, der sich auf kürzlich freigegebene Geheimdokumente der amerikanischen Streitkräfte und Erinnerungsliteratur ehemaliger amerikanischer Soldaten dieser Einheit stützt, stellte Oberst a. D. Friedrich K. Jeschonnek, Mitglied der Clausewitz-Gesellschaft und Fachautor, diese Einheit als Teil eines unkonventionellen militärischen Netzwerkes für den Kriegsfall in Europa von Spezialkräften und Nachrichtendiensten vor. Er schilderte deren Einsatzkonzeption, Strukturen, Personal, Ausrüstung, Einordnung in das westliche militärische Gesamtsystem und konkrete Kriegsplanungen. Dem stellte er das besonders geartete, teilweise konspirativ anmutende Alltagsprofil mit Ausbildung und Übungen gegenüber, darunter auch Zusammenarbeit mit deutschen Polizeibehörden, Bundeswehr und NATO-Kräften außerhalb West-Berlins. Hierzu gehört das mehr oder weniger offenes Geheimnis, dass im Rahmen der missglückten Geiselbefreiung der Amerikaner im Iran 1980 ein Vorauskommando des Detachment-A Berlin erfolgreich in Teheran eingeschleust worden war, das mit Unterstützung iranischer Unterstützer die Geiselbefreiung vorbereitet hatte, aufgrund der Probleme anderer amerikanischer Befreiungskräfte nicht zum Einsatz kam und selbständig unerkannt zurückkehren musste.

Neben Hinweisen auf die historische Forschung über derartige Kräfte im Kalten Krieg, deren Kenntnis wie Einschätzung durch die Staatssicherheit der DDR und andere östliche Nachrichtendienste wurde auch auf die aktuelle Quellenlage, Freigabe geheimer Dokumente in den USA, amerikanische Erinnerungskultur sowie diesbezügliche Veröffentlichungen in deutscher und englischer Sprache hingewiesen. Im Anschluss an den Vortrag wurde die Thematik durch weiterführende Fragestellungen der interessierten und fachkundigen Zuhörer vertieft. Für alle diejenigen, welche nicht am Vortrag teilnehmen konnten, sich für die Thematik interessieren, wurde auf das in deutscher Übersetzung kürzlich erschienene Buch von James Stejskal: US Spezialkräfte in Berlin, erschienen beim Verlag Dr. Köster, Berlin 2018, ISBN 078-3-89571-950-6, verwiesen.

 

 

Mit Benutzung dieser Website aktzeptieren Sie die Nutzung von Cookies. Weitere Informationen.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen