Jan 01 2017

„Die preußischen Heeresreformen“ – RK WEST am 12.12.2016

Reformen der Streitkräfte – vollendete oder unvollendete – haben die in der Bundeswehr Gedienten nahezu unzählige Male erlebt. Die formelle Aufstellung der Bundeswehr in der Bonner Ermekeil-Kaserne erfolgte nicht zufällig, sondern ganz bewusst am 12. November 1955, dem 200. Geburtstag des preußischen Generalleutnants Gerhard von Scharnhorst, einem der entscheidenden Reformer des preußischen Heeres.

Oberst a.D. Dr. Michael Vollert referierte zum wiederholten Mal vor einem interessierten Zuhörerkreis des RK West  mit einem historischen Thema. „Die preußischen Heeresreformen 1807 – 1815 und ihre Auswirkungen bis heute“, welche, wie er aufzeigte, weit über die damalige Zeit hinauswirkten. Vergleichbar tiefgreifende Auswirkungen hatte kaum eine der Reformen der Bundeswehr, sieht man von der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 ab. Ursächlich für diese umfassenden Militärreformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts war u.a. die Schlacht bei Jena und Auerstädt, bei der das damals schon unzeitgemäße und weitgehend aus gepressten Landeskindern bestehende preußische Heer von Napoleon Bonapartes Wehrpflichtigen- und Freiwilligenarmee vernichtend geschlagen wurde.

In diesem Kontext kamen auch in anderen Politikfeldern sehr weitgehende Reformen zum Tragen. Es kam zu Reformen in der Gemeindeverfassung, dem Gewerberecht, im Agrar-, Bildungs- und eben auch im Militärwesen. Deren Protagonisen sind allseits bekannt: Heinrich Friedrich Reichsfreiherr vom und zum Stein, Karl August Fürst von Hardenberg, Wilhelm von Humboldt und miltärischerseits neben dem erwähnten Gerhard von Scharnhorst auch August Graf Neidhardt von Gneisenau, Ludwig von Boyen und – nicht zu vergessen – der Namensgeber unserer Gesellschaft – Carl von Clausewitz. Diese weitsichtigen und mutigen Männer erkannten, dass sich nach der französischen Revolution und dem Siegeszug Napoleons auch der alte preußische Staat und das Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus überlebt hatten und der Erneuerung bedurften.

Dr. Vollert erläuterte, wie sich aus der seit den schlesischen Kriegen Mitte des 18. Jahrhunderts nicht wesentlich weiterentwickelten preußischen Armee mit ihrer überlieferten starren Ordnung, der überholten Linientaktik, der Beförderung auf den weitestgehend dem Adel vorbehaltenen Offiziersstellen nicht nach Leistung, sondern primär nach Anciennität, durch konsequente Reformen sukzessive wieder eine moderne und schlagkräftige Armee entwickeln konnte. Diese Armee, in der dann auch Bürgerliche aufsteigen konnten, in der die entehrende Prügelstrafe abgeschafft wurde und in der nicht länger Zwangsverpflichtete aus den unteren Bevölkerungsschichten dienen mussten, diente später anderen Staaten als Vorbild. War der einfache preußische Soldat bis dahin eher „Kanonenfutter“, so gelangte der Soldatenstand im Gefolge dieser Reformen zu Ansehen und Ehre. Das Militär wurde quasi zur Schule der Nation; gedient zu haben war später eine unabdingbare Voraussetzung für den gesellschaftlichen Aufstieg. Oberst Dr. Vollert ist es erneut gelungen, in einem überaus spannenden Vortrag die Auswirkungen eines historischen Ereignisses bis in unsere Zeit darzustellen. Entsprechend rege verlief danach die Diskussionsrunde.

Im Anschluss an den Vortrag gedachte der Leiter  des RK West, Herr Generalleutnant a.D. Jürgen Ruwe,zunächst der im laufenden Jahr verstorbenen Mitglieder. Er ließ danach das für den RK West erfolgreiche Jahr Revue passieren.Der Präsident der Gesellschaft Generalleutnant a.D. Dipl.-Inform. Kurt Herrmann wies auf die 2017 anstehenden größeren Veranstaltungen der Clausewitz-Gesellschaft hin und bat um rege Teilnahme.

Der Abend wurde durch einen kleinen Jahresabschlussempfang im Foyer des Besucherzentrums des BMVg abgerundet, bei dem der kameradschaftliche Austausch gepflegt werden konnte.

Dr. Jürgen Blätzinger, GenOStArzt a.D.

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