Mrz 13 2017

„Chinas Militärstrategie im asiatisch-pazifischen Raum“ – RK Nord am 15.02.17

Am 15. Februar 2017 hatte der Regionalkreis Nord Dr. Sarah Kirchberger eingeladen, über Chinas Militärstrategie im asiatisch-pazifischen Raum zu sprechen. Dr. Kirchberger ist die Leiterin der Abteilung Strategische Entwicklung in Asien-Pazifik am Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel und hat zuvor am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg als Juniorprofessorin zu dem Thema „das gegenwärtige China“ geforscht. 2015 veröffentlichte sie, basierend auf Arbeitserfahrungen in der deutschen Marineschiffbauindustrie, die Studie Assessing China’s Naval Power: Technological Innovation, Economic Constraints, and Strategic Implications.

Der Vortrag behandelte zunächst die aktuell stark diskutierte Präsenz Chinas im Südchinesischen Meer. Nachdem ein Schiedsgericht in Den Haag im Juli 2016 festgestellt hatte, dass der chinesische Territorialanspruch der „9-Punkte-Linie“ einer rechtlichen Grundlage entbehrt, verschärften sich die Spannungen zwischen China, den südostasiatischen Anrainerstaaten und den USA. Die Befestigung und militärische Nutzung von Riffen, die sogenannten „Volksmilizen“ auf Fischerbooten und verbale Drohgebärden Chinas prägten die Presseberichterstattung. Kirchberger wies darauf hin, dass China in westlichen Medien schon seit mindestens 20 Jahren zunehmend als militärische Bedrohung dargestellt und mitunter auch dämonisiert wurde. Inwiefern solche Bedrohungswahrnehmungen sich gegenseitig verstärken, wäre aus ihrer Sicht zu prüfen.

Anschließend beschrieb sie die wesentlichen strategischen Zielsetzungen der chinesischen Führung, an erster Stelle das Interesse der kommunistischen Partei am eigenen Machterhalt. Nicht zuletzt zu diesem Zweck strebt Chinas Regierung an, die „territoriale Integrität“ Chinas zu schützen, worunter sie auch die Abwehr von Taiwans Unabhängigkeitsbestrebungen versteht. Ein anderes Ziel besteht darin, die Seewege zu sichern, von denen Chinas Wirtschaftsentwicklung abhängt.

Anhand von Karten zeichnete Kirchberger ein Bild der strategischen Lage aus chinesischer Sicht, indem sie Chinas „Malakka-Dilemma“ und die Verteilung westlicher Militärstützpunkte in der Region ins Verhältnis zur ersten chinesischen Übersee-Marinebasis in Dschibuti setzte. Chinas „One Belt, One Road“-Strategie der Vernetzung mit eurasischen und afrikanischen Handelspartnern und Chinas damit verbundene massive Investitionen in die dortigen Transportinfrastrukturen interpretierte sie als Versuch, amerikanischem Containment entgegenzuwirken und zugleich chinesische Überkapazitäten abzubauen. Vor allem jedoch erfordert die maritime Geographie Chinas ihr zufolge eine nähere Betrachtung und erklärt die chinesische Bedrohungswahrnehmung einer „Umzingelung“ durch US-Verbündete, die sich vielfach in chinesischen Veröffentlichungen nachweisen lässt.

Im Bereich der Militärentwicklung setzt China auf den Ausbau der Marine zu einer hochseefähigen Flotte mit offensiver Flugzeugträger-Komponente und strebt im südchinesischen Meer möglicherweise ein Bastion-Konzept für die strategischen U-Boote an. Bei allen Fortschritten der chinesischen Militärmodernisierung sollte, so die Referentin, jedoch die anhaltende Abhängigkeit von russischen und ukrainischen Hochtechnologie-Importen in einigen kritischen Bereichen (z.B. Gasturbinen und Düsentriebwerke) nicht unterschätzt werden. Angesichts eines Waffenembargos der EU und der USA bleibt Chinas Militärentwicklung auf solche Zulieferungen weiterhin angewiesen, was dem komplexen russisch-chinesischen Verhältnis eine weitere Dimension verleiht.

Der Vortrag war sehr gut besucht und eine lebhafte Fragerunde schloss sich an.

 

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