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Jun 10 2014

Vortragsabend Regionalkreis West am 02.06.2014 mit Generalmajor a.D. Jürgen von Falkenhayn zum Thema „Sarossawa – Auf der Such nach dem verlorenen Vater“

GenMaj a.D. v. Falkenhayn

GenMaj a.D. v. Falkenhayn

Die Mehrzahl der Vortragsthemen im Regionalkreis West befassen sich in der Regel im Clausewitz´schen Sinne mit Militärpolitik und Strategie. Die Lesung von Generalmajor a.D. von Falkenhayn zu seinem vor zwei Jahren in der Schriftenreihe „Erzählen ist Erinnern 110“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Scribeo-Verlag erschienen Buch, schien bei oberflächlicher Betrachtung den gewohnten Rahmen zu verlassen.

Den Teilnehmern der Veranstaltung wurde dann aber rasch klar, dass der Referent und Autor zwar sein und seiner Familie ganz persönliches Schicksal lebendig und emotional erzählte, dass dieses Einzelschicksal jedoch deutschen Familien und ebenso Familien in allen anderen vom Krieg betroffenen Nationen hunderttausendfach im zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit widerfuhr. Auch die Einsätze der Bundeswehr brachten es mit sich, dass Familien zu Hinterbliebenen Gefallener wurden. Witwen und Waisen sind heute nicht weniger vom Verlust des Vaters betroffen als zu der damaligen Zeit. Insofern war und ist das von Herrn von Falkenhayn aufgearbeitete Thema leider auch in unserer Zeit eigentlich noch immer aktuell, auch wenn dies angesichts der weit geringeren Zahl aktueller Kriegsopfer, aber auch vor dem Hintergrund des weitgehenden Desinteresses der Zivilbevölkerung an Vorgängen in der Bundeswehr, kaum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt.
Der Referent hat am Beispiel seines nach preußisch-protestantischen Werten erzogenen Vaters dargestellt, wie dessen meist vaterländisch eingestellte Generation durch die aktive Teilnahme an zwei Weltkriegen und die Wirren in der Zeit zwischen den Kriegen letztlich zu einer „verlorenen Generation“ wurde, die als Soldaten – gefangen von geleisteten Eiden – von einem Unrechtsregime missbraucht und im Falle des Überlebens später vielfach als Nazi-Offiziere gebrandmarkt wurden. Ohne jede Bitterkeit wurde dargestellt, welchen Einschnitt der Verlust des Ehemannes und Vaters von vier Kindern für eine heimatlos gewordene und sozial geschwächte Familie mit sich brachte und wie diese Familie sich nach dem Krieg mit Disziplin und Tatkraft wieder nach oben arbeitete.
Der Autor schilderte aber auch, wie er auf der Suche nach seinem 1941 als Hauptmann und Kompaniechef in der Ukraine gefallenen Vater 70 Jahre später vor Ort Unterstützung von Ukrainern erhielt, die selbst den Krieg erlebt hatten. Was er herausstellte, war die Herzlichkeit und Versöhnungsbereitschaft, die ihm als Sohn eines Wehrmachts- offiziers heute entgegengebracht wurde. Die Veteranen der früheren Sowjetarmee und die zivilen Überlebenden haben ihm gegenüber bei seinem Besuch wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass der Blick zurück in Bitterkeit nicht hilfreich ist und Versöhnung verhindert, dass vielmehr der Blick nach vorn in eine gemeinsame und friedliche Zukunft gerichtet werden müsse. Die Erinnerungskultur in den Staaten der früheren Sowjetunion unterscheidet sich erkennbar von dem Vergessen und Verdrängen in unserem Land, was sicher auch den Rollen des Siegers auf der einen und der des Verlierers auf der anderen Seite geschuldet ist.
Dieser etwas andere Vortrag, der mit einer Aussprache schloss, hat die Hörer berührt und zu Nachdenklichkeit und Betroffenheit geführt. Gewiss wird sich der eine oder andere Teilnehmer des Vortrages in das ihm bisher unbekannte Buch vertiefen – es lohnt sich.
In seiner Begrüßung und Einleitung hatte Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Jürgen Blätzinger, der die Moderation des Abends übernommen hatte, des am 19. Mai 2014 verstorbenen ehemaligen Präsidenten und Ehrenmitglieds unserer Gesellschaft  Generalleutnant a.D. Lothar Domröse und unseres am 24. Mai 2014 verstorbenen Mitglieds Brigadegeneral a.D. Horst Lemke gedacht.

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