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Jun 11 2014

Bleibendes Erbe eines aufrechten Offiziers: Henning von Tresckow im Mittelpunkt des 5. Clausewitz-Strategiegesprächs

Podiumsdiskussion: Wilfried von Tresckow, Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann, Thomas Reuther

Podiumsdiskussion: Wilfried von Tresckow, Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann, Thomas Reuther

Die Clausewitz-Gesellschaft e.V. führt seit 2010 gemeinsam mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft e.V. und der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund in Berlin Strategiegespräche durch. Am 11. Juni kamen über 130 Gäste zur fünften dieser Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, die diesmal unter dem Thema „Henning von Tresckow – Seine Entwicklung als Persönlichkeit, sein Handeln als Soldat und seine Rolle im Widerstand gegen Hitler“ stand.

Die Clausewitz-Gesellschaft e.V. führt seit 2010 gemeinsam mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft e.V. und der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund in Berlin Strategiegespräche durch. Am 11. Juni kamen über 130 Gäste zur fünften dieser Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, die diesmal unter dem Thema „Henning von Tresckow – Seine Entwicklung als Persönlichkeit, sein Handeln als Soldat und seine Rolle im Widerstand gegen Hitler“ stand. Im Auditorium befanden sich u.a. der Vizepräsident des Landtags von Sachsen-Anhalt, Gerhard Miesterfeldt, und der Vizepräsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft e.V. und ehemalige Wehrbeauftragte, Reinhold Robbe.
Nach der Begrüßung durch den Vertreter der gastgebenden Landesvertretung, Ministerialrat Henning Baumeister, führte der Präsidenten unserer Vereinigung, Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann in das Thema ein und leitete die Podiumsdiskussion mit den beiden Referenten, Wilfried von Tresckow und Thomas Reuther, sowie die anschließende Aussprache mit dem Auditorium.

In seiner Einführung erwähnte Herrmann zunächst die wichtigen Erinnerungsdaten dieses Jahres – vor 100 Jahren Ausbruch des 1. Weltkrieges, vor 75 Jahren Beginn des 2. Weltkrieges und vor 70 Jahren Landung der Alliierten in der Normandie sowie das Attentat auf Hitler vom 20. Juli. Danach gab er eine kurze Einordnung der wesentlichen Widerstandsgruppen gegen Hitler und das NS-Unrechtsregime, wobei er auch die vielfältigen Beweggründe und Ziele sowie die sehr unterschiedliche personelle Zusammensetzung der Oppositionsgruppen erwähnte. Schließlich wies er auf die zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen und Lebensumstände der Widerständler in den Kriegsjahren hin.
Wilfried von Tresckow hatte seinen Impulsvortrag unter das Thema gestellt: „Gedenken an Henning von Tresckow – Kopf, Herz und Motor des militärischen Widerstands gegen das NS-Regime“. Einleitend erwähnte er u.a., dass über 40 Mal versucht wurde, Hitler zu töten. Henning von Tresckow sei nachweislich der Initiator, Planer und Regisseur von fünf Attentatsversuchen und schließlich auch die zentrale Figur hinter dem Attentat des 20. Juli 1944 gewesen. Die zunächst bei ihm durchaus vorhandene Sympathie für den Nationalsozialismus sei spätestens mit dem sogenannten Röhm-Putsch im Juni 1934 zunehmenden Zweifeln und schließlich entschiedener Ablehnung gewichen. Er habe erkennen müssen, dass Deutschland von einem Verbrecher regiert wurde. An diversen Beispielen erläuterte Wilfried von Tresckow wesentliche charakterliche und intellektuelle Merkmale, moralisch-ethische Einstellungen, die feste christliche Grundhaltung, persönliche Entwicklungsstadien und die breiten beruflichen als auch privaten Erfahrungen des Henning von Tresckow, die ihn zum anerkannten Haupt, geistigen Führer und Motor des militärischen Widerstands gegen das NS-Regime werden ließen.
Der Historiker Thomas Reuther trug danach zum Thema „Henning von Tresckow – Ein Stratege auf verlorenem Posten?“ vor und ging dabei schwerpunktmäßig auf den Soldaten Henning von Tresckow ein. Dabei wurden wesentliche Stationen seines militärischen Werdegangs analysiert und insbesondere seine strategisch-operativen Fähigkeiten als auch sein professionelles Geschick, seine politische Urteilskraft, sein aufopferungsvolles Engagement und seine Durchsetzungsfähigkeit zur Nutzung verfügbarer staatlicher Strukturen und Ressourcen für die Zwecke des Widerstands gewürdigt.

In der intensiven und auch seitens des Auditoriums später engagiert geführten Diskussion wurde u.a. deutlich, dass sich gerade an Henning von Tresckow zeigt, wie selbst die zum Umsturz entschlossenen Offiziere Mühe hatten, den Loyalitätskonflikt und jene letzten Hemmungen zu überwinden, die alles, was sie dachten und planten, als Pflichtvergessenheit erscheinen ließ, als Anmaßung und verantwortungsloses Tun vor allem der eigenen Truppe gegenüber. Zugleich wurde auch unterstrichen, dass der Entschluss zum Widerstand ein Entschluss zum Übertritt in ein gesellschaftliches Abseits und oft auch in die menschliche Einsamkeit war.
Gerade auch die durch anfängliche Kriegserfolge Hitlers, durch die opportunistische Haltung führender Generäle und Feldmarschälle gegenüber dem NS-Regime und später durch die Forderung der Anti-Hitler-Koalition zu totaler Kapitulation zunehmende Aussichtslosigkeit, durch einen Staatsstreich das Deutsche Reich noch retten zu können, hat den Mut, die Entschlossenheit, Geduld und Ausdauer von Tresckow und anderen Mitgliedern des militärischen Widerstands auf härteste Proben gestellt. Dass sie sich trotzdem zur Tat entschlossen, hat dem Widerstand die ihm eigene Größe gegeben. Ohne jeden Beistand im Innern und ohne Ermutigung von außen, hat der Widerstand am Ende seinen Kampf für kein nationales oder konkret politisches Interesse mehr geführt. Von daher war Tresckows „coûte que coûte“ für die Tat vom 20. Juli das auslösende Wort, auch für Stauffenberg, an den er es schließlich gerichtet hat. Mehrfach zitiert wurden in diesem Zusammenhang die Worte „Moralisch wiegt der Versuch so viel wie der Erfolg“ oder „Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben.“
Ein wesentlicher Teil der Aussprache wurde schließlich Fragen zur Bewahrung des geistig-moralischen Erbes von Tresckow auch in der Zukunft und zur Integration wesentlicher Erkenntnisse aus den Erfahrungen des militärischen Widerstands gegen Hitler in die Ausbildung künftiger militärischer Führer und Führungsgehilfen der Bundeswehr gewidmet. Dabei wurden u.a. auch die bereits von Tresckow reflektierten europäischen Aspekte hinsichtlich Schutz und Verteidigung demokratisch-rechtsstaatlicher Werte und Strukturen erörtert, was zum Beispiel in dem Vorschlag aus dem Auditorium gipfelte, die Bundeswehr möge ein gemeinsames Gedenken mit polnischen Soldaten an Henning von Tresckow am ehemaligen Wohnsitz der Familie von Tresckow, dem vormaligen Gut Wartenberg, veranstalten.
Als Fazit der Veranstaltung bleibt festzuhalten, dass es sich lohnt und geradezu als Verpflichtung bestehen bleibt, sich Henning von Tresckows und anderer Widerstandskämpfer zu erinnern und ihnen dabei nicht nur Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sondern ihr Vermächtnis auch immer wieder in aktueller Sprache lebendig zu halten und überzeugend zu vermitteln.

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