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Sep 20 2016

Der Unabhängigkeitskrieg und die Gründung der Türkei 1919 – 1923, Eckhard Lisec, BrigGen a.D., Miles Verlag

Der Unabhängigkeitskrieg und die Gründung der Türkei 1919 – 1923
Eckhard Lisec, Brigadegeneral a.D.
Miles Verlag, Berlin. ISBN 978-3-945861-39-4

Buchcover

Buchcover

Auszug aus dem Buch:

Inhalt

I. Vorwort des Verfassers 9
II. Der Waffenstillstand von Mudros/Mondros 12
III. Mustafa Kemal Paşa landet in Samsun 14
IV. Die griechische „Megali Idea“ 17
V. Die griechische Besetzung von Izmir 20
VI. Alliierte Besetzungen im Vorgriff auf Sèvres 22
VII. Mustafa Kemal Paşa in Anatolien 26
VIII. Weiteres griechisches Vordringen 33
IX. Die griechischen und türkischen Truppen 40
X. Die Schlacht von İnönü I 46
XI. Die Schlacht von İnönü II 49
XII. Abkommen mit Italien, Frankreich und Russland 52
XIII. Über Kütahya zur Sakarya 57
XIV. Vorentscheidung an der Sakarya 67
XV. Die griechische Niederlage bei Dumlupınar 76
XVI. Einmarsch in Izmir 83
XVII. Die Krise bei Çanakkale 87
XVIII. Von Mudanya nach Lausanne 89
XIX. Die Türkische Republik 94
XX. Literatur 99

Vorwort

Die Gründung der Republik Türkei 1923 auf den Ruinen des Jahrhunderte alten Osmanischen Reiches, einer islamischen Sultansmonarchie, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 zusammenbrach, wurde von vielen Zeitgenossen als ein „Wunder“ bezeichnet, weil sie sich entgegen allen machtpolitischen und räumlich-struktur-ellen Gegebenheiten der Zeit durchsetzen konnte. Das betrifft sowohl die erfolgreiche Abwehr der Teilungspläne des osmanischen Vielvölkerstaates durch die siegreichen Ententemächte in Bezug auf eine wesentlich türkisch geprägte anatolische Raumeinheit, die auch die umstrittenen Dardanellen und den europäischen Zipfel der Türkei mit der alten Hauptstadt Istanbul behaupten konnte, als auch die rechtliche und verfassungsmäßige Modernisierung des Staates als säkulare Republik nach dem Leitbild der europäischen Staatenwelt.
Dieser vielschichtige Prozess, der sich in wenigen Jahren von 1919-1923 vollzog, ist in der Literatur vielfach beschrieben und zu Recht vor allem als das Werk des Staatsgründers Mustafa Kemals, des späteren Atatürk, gewürdigt worden, der als besonnener Militärführer wie als ebenso kluger Politiker in dem vielfach verminten Feld der Nachkriegszeit im Nahen und Mittleren Osten nach 1918 unter konkurrierenden politischen Bedingungen mit Redlichkeit, Mut und Überzeugungskraft Wege zu dem bezeichneten Ziel einer türkischen Staatsgründung mit einer zunehmenden Zahl von Anhängern durchsetzen konnte. Eine wesentliche Grundlage dieses Erfolges ist dabei der Sieg in der Auseinandersetzung mit Griechenland und den unterstützenden Ententestaaten im sogenannten Unabhängigkeitskrieg 1919-1922 gewesen.
Er ist bisher in seinen militärischen Voraussetzungen, seinem Verlauf und seinem für die Türkei erfolgreichen Abschluss in der nichttürkischen Literatur noch weniger betrachtet worden. Doch ist zum Verständnis der Gesamtentwicklung der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg im Nahen Osten gerade auch die Betrachtung der militärischen und damit verbundenen politisch-diplomatischen Gegebenheiten von wesentlicher Bedeutung.
Dies aufzuzeigen, ist das Ziel des vorliegenden Buches. Sein Autor Eckhard Lisec bringt hierzu als technisch ausgebildeter Berufsoffizier, der als Brigadegeneral mehrere Jahre im NATO-Stab in Istanbul tätig war, das Land und seine mit Deutschland verwobene Geschichte studierte, die türkische Sprache erlernte und so tiefer in die Lebensverhältnisse und die Vergangenheit des NATO-Partners eindrang, beste Voraussetzungen mit, die er bereits 2011 in einem in Ankara erschienen deutsch-türkischen Buch über „100 Jahre Deutsch-Türkische Zusammenarbeit in der Militärischen Luftfahrt“ aufgrund eigener Quellenforschung und mit zahlreichen instruktiven Abbildungen unter Beweis stellte. Auch das vorliegende Buch besticht durch die Vielfalt der militärisch-strategischen Aspekte und Kartierungen, die das reale Geschehen des Kriegsverlaufs übersichtlich gegliedert darstellen, zugleich aber auch immer auf dem Hintergrund der politischen und diplomatischen Bemühungen kennzeichnen, denen letztendlich – international anerkannt – der Erfolg der türkischen Staatsgründung 1923 zu verdanken ist.

Prof. Dr. Paul Leidinger, Universität Münster
Präsident der Deutsch-Türkischen Gesellschaft Münster von 1916 e.V.

I. Vorwort des Verfassers

Am 29. Oktober 2023 wird die Türkei den 100. Jahrestag der Gründung ihrer Republik feiern. Zeitzeugen im eigentlichen Sinne wird es dann nicht mehr geben. Die Erinnerung an die damals für die Türkei entscheidenden Jahre 1919 bis 1923 wird jedoch wach gehalten im Bildungssystem des türkischen Heimatlandes, in ihren Schulunterrichten, in den Erzählungen der Älteren, in Vorträgen, in Büchern sowie Filmen und in den im Zusammenhang stehenden vier Feiertagen. Türkische Emigranten, die noch auf türkische Schulen gegangen sind, werden die Ereignisse ebenfalls kennen und ihren Nachfahren davon berichten.
Die Emigrantenkinder der Türken jedoch, die z.B. ein deutsches Schulsystem durchlaufen haben wie auch die Deutschen selbst wer-den mit der Zeit immer weniger darüber erfahren. Schon bisher wis- sen deutsche Schulkinder über das Osmanische Reich und die Türkei wenig, meistens beschränkt auf die Eroberung Konstantinopels 1453 und die „Türken vor Wien“ 1683. Auch in den „Deutsch Türkischen Gesellschaften“ und den türkischen „Yunus Emre Instituten“ in Deutschland werden historische Ereignisse dieser Art, erst recht wenn sie mit Kriegen verbunden sind, nur selten thematisiert. Dies hat auch mit der historischen Vergangenheit Deutschlands zu tun, mitunter auch mit aktuellen politischen Strömungen.
Gerade die erwähnte Periode nach dem Ersten Weltkrieg ist dabei in der politischen Staatenentwicklung von besonderem Interesse. Die Türkei kann dabei als Musterbeispiel für den Weg von einem multiethnischen Vielvölkerreich, der zuletzt konstitutionellen Osmanischen Monarchie, gegen fast unüberwindliche Widerstände hinweg in nur wenigen Jahren zu einer national bestimmten Republik mit einer fast ausschließlich muslimischen Bevölkerung gelten, die von Zeitgenossen als „ein türkisches Wunder“ bezeichnet worden ist.
Dieser Weg ist wesentlich durch das Handeln und eine zielgerichtete Strategie des osmanischen Offiziers, des politischen Revolutionärs und späteren Staatsmannes Mustafa Kemal Paşa, später genannt „Atatürk“, „Vater der Türken“, bestimmt worden, den viele daher für eine der bedeutendsten politischen Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts halten. Dieses Buch wendet sich daher vor allen Dingen an die jüngeren Türken und türkischen Emigranten in Deutschland, die mit den Ereignissen nicht vertraut sind, aber ihre Wurzeln kennen lernen wollen, viele zudem den spannenden türkischen Tatsachenroman „Şu Çılgın Türkler“ (Diese verrückten Türken) von Turgut Özakman nicht gelesen haben, zumal es bis zum Erscheinungsjahr dieses Buches nur in türkischer Sprache zu erhalten war. Auch Deutsche, die in der Türkei wohnen oder arbeiten, darunter auch deutsche Soldaten und Diplomaten, mögen mit diesem Buch einen tieferen Einblick in ihr Gastland gewinnen, in die Seele der Türken, in die traumatischen erniedrigenden Ereignisse ihres Landes 1918-1923, ihren berechtigten Nationalstolz. Sie werden eher verstehen, warum Kemal Atatürk so hoch verehrt wird: Er ist ihr Gründer und zugleich Retter ihres Vaterlands.
Wegen der angesprochenen hauptsächlichen Zielgruppe und zum Zwecke der einfacheren Lesbarkeit wird weitgehend auf einen wissenschaftlichen Apparat mit vielen und detaillierten Quellenverweisen verzichtet, dafür von Fußnoten Gebrauch gemacht. Das Literaturverzeichnis am Ende, welches nur einen Teil der ausgewerteten Literatur umfasst, enthält die Fakten, die i.a. unumstritten sind.
Der Autor hat umfangreiche Literatur und Dateien in vier Sprachen ausgewertet, darunter auch in der türkischen.
Allein schon die mehreren Hundert einschlägigen Dateien in Wi- kipedia und Vikipedi geben einen guten sachlichen Überblick, auch wenn Details der Darstellungen mitunter falsch oder tendenziell, also gründlich zu prüfen sind. Einschlägige türkische Suchbegriffe für Bibliotheken und Vikipedi sind „Kurtuluş Savaşı“ (Befreiungskrieg), „Istiklal Harbı” (Unabhängigkeitskrieg) oder “Milli Mücadele” (Nationaler Kampf).
Der Autor war bemüht, bei der Erwähnung von Namen die modernen türkischen Begriffe zu benutzen, also z.B. “İzmir” anstatt “Smyrna”, es sei denn, dass z.B. in einem historischen Dokument der alte Name gebraucht wird. In manchen Fällen erleichtert auch eine zweite Namensnennung dem westlichen Leser die Orientierung, wie z.B. “Mäander” neben der offiziellen Bezeichnung “Menderes” oder z.B. “Halys” neben der offiziellen “Kızılırmak”. Schwierigkeiten der Übersetzung ergeben sich auch wegen fehlender Artikel in der türkischen Sprache, also z.B. bei der Festlegung „der“ oder „die“ Sakarya als Fluss.
Bei der Bezeichnung von Personen wurde, schon aus Verwechslungsgründen, bisweilen der bekanntere Begriff, der Nachname, in Klammern gesetzt, obwohl Nachnamen erst 1934 eingeführt wurden, so z.B. İsmet (İnönü) anstatt İsmet Bey oder nach Ernennung dann İsmet Paşa.
Häufig wird auch der Begriff „Türke“ als Staatsbürgername schon umfassend gebraucht, obwohl der Begriff „Osmane“ zumeist korrekter wäre.
Im Osmanischen Reich wurden Bürger mit griechischen Wurzeln als „Rum“ bezeichnet, wohl herrührend aus dem Begriff „Römer“ bzw. „Rom/Ostrom „. Bezeichnungen wie Rumelien, Erzurum oder des Mystikers Rumi beinhalten den Begriff noch. Heute, inkorrekterweise und als Quelle von Verwechslungen, werden diese Rum in der Literatur auch häufig „Griechen“ genannt, obwohl sie doch osmanische Staatsbürger waren. Nachfolgend wird der Begriff Rum übernommen in Abgrenzung zu den griechischen Staatsbürgern, die die Türken „Yunanlı” nennen.
Die Zeitangaben folgen dem im Osmanischen Reich damals schon bekannten Gregorianischen Kalender und nicht dem damals in Griechenland gebräuchlichen Julianischen.

Der Autor

Der Autor, Eckhard Lisec, Jahrgang 1944, schloss als Dipl. Ing. der Nachrichtentechnik sein Studium 1971 an der TH Hannover ab und trat dann erneut in die Bundeswehr ein.
Als Berufsoffizier bekleidete er u.a. ministerielle und internationale Verwendungen in Belgien und schließlich 2002 – 2005 als Brigadegeneral bis zur Pensionierung in einem NATO Stab in Istanbul. Er war damit der erste Bundeswehrgeneral, der nach dem 2. Weltkrieg, außerhalb eines Einsatzes, in der Türkei friedens-stationiert war.
Sein spezielles Interesse galt schon dort der Geschichte des Osmanischen Reiches und der Türkei einschließlich der türkischen Sprache. Er verbesserte diese Sprachkenntnisse als Gasthörer an der Universität Bonn. L. lebt in Bonn, ist verheiratet und hat 2 Kinder.

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