Jan 30 2015

Vortragsabend Regionalkreis West am 26. 01. 2015 mit Brigadegeneral Dag Baehr, Kommandeur KSK, zum Thema „Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr“

BrigGen Dag Baehr

BrigGen Dag Baehr

Es ist nicht verwunderlich, dass ein Elite-Kommando, dessen Operationen strenger Geheimhaltung unterliegen müssen, Gegenstand von Mythen und Legenden, aber auch besonders kritischer Betrachtung wird. So ist das mit dem Kommando Spezialkräfte (KSK) in den ca. 18 Jahren seines Bestehens vielfach geschehen.

Der Regionalkreis WEST wollte sich ein Bild über dieses besondere Kommando machen und hatte BrigGen Dag Baehr als Referenten gewinnen können, der nicht nur das KSK seit zwei Jahren kommandiert, sondern darüber hinaus seit dessen Aufstellung dort in unterschiedlichen Verwendungen gedient oder es aus vorgesetzten Kdo-Behörden begleitet hat. Das außergewöhnlich große Interesse an dieser Thematik schlug sich in einer Rekordbeteiligung an Zuhörern nieder, die an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Besucherzentrums der Hardthöhe stieß.

General Baehr stellte in seinem Vortrag zunächst die Aufstellungsphase des KSK Mitte der 90er Jahre dar, die er als junger aus der Gebirgstruppe kommender Offizier selbst miterlebt hatte. Anlass für die Aufstellung war der Umstand gewesen, dass Deutschland 1994 bei der erforderlichen Evakuierung von Mitarbeitern der Deutschen Welle und ihren Angehörigen aus Ruanda während des dortigen Völkermords mangels geeigneter eigener Kräfte auf die Hilfe belgischer Spezialeinsatzkräfte angewiesen war. Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage wurde dies als nicht mehr als angemessen angesehen. Die konkreten Planungen für die Aufstellung dieses Kommandos, das quasi aus einem Brigadekommando mit einem Einsatzbataillon besteht, begannen 1995 und führten bereits im April 1996 zur Indienststellung. Schon zwei Jahre waren die ersten Kräfte im Einsatz auf dem Balkan gefordert. Seit 2001 wurde das KSK auch in Afghanistan eingesetzt – bis 2005 im Rahmen der Operation Enduring Freedom, danach unter dem Kommando von ISAF.

Neben dem Auftrag und den konzeptionellen Grundlagen des KSK nahm die Beschreibung der Vorraussetzungen an Kommandosoldaten und der ausgesprochen aufwändigen Ausbildung an Ausbildungsorten auf verschiedenen Kontinenten einen breiten Raum ein. Da der Auftrag „Rettung, Evakuierung und Geiselbefreiung im Ausland“ die höchsten Anforderungen an den Ausbildungsstand der beteiligten Soldaten stelle, sei dies der wichtigste Maßstab für die Einsatzfähigkeit und Grundlage für ein breites Spektrum differenzierter Handlungsoptionen in Einsätzen jeglicher Art.

In einer längeren Aussprache wurden insbesondere die rechtliche Problematik des Einsatzes von Spezialkräften sowie die inhärenten politischen Implikationen einschließlich der Mandatierung durch den Deutschen Bundestag noch einmal vertieft.

BrigGen Baehr hat nach dem wohl einhelligen Eindruck des Auditoriums das Kommando Spezialkräfte in sehr anschaulicher und überzeugender Weise dargestellt und – selbstverständlich im Rahmen der erforderlichen Geheimhaltung – einen faszinierenden Blick auf einen Bereich erlaubt, der sich aufgrund seiner Eigenart im Allgemeinen nicht in den Fokus der Öffentlichkeit drängt. So stellte der erste Vortragsabend im neuen Jahr ohne Zweifel ein Highlight dar.

Jürgen Ruwe, GenLt a.D.

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