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Feb 09 2016

„NATO Response Force (NR) – Einsatz mit einem multinationalen Korps“ – RK WEST am 01.02.2016

Als Reaktion auf die russische Annexion der Krim und die von Russland geschürten kriegerischen Ereignisse im Osten der Ukraine wurde im September 2014 beim NATO-Gipfeltreffen in Wales im Rahmen eines Readiness Action Plans die Aufstellung einer Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) beschlossen, um auf die Herausforderungen insbesondere an der NATO-Peripherie sehr schnell und lageangemessen reagieren zu können. Das I. GE/NL Korps wurde als erster Großverband von Januar bis Dezember 2015 mit der Erprobung dieser sog. Speerspitze der NATO beauftragt. GenLt Halbauer, Kommandierender General des Korps, fokussierte seinen Vortrag auf die Erfahrungen, die sein Korps bei dieser Erprobung sammeln konnte.

Vorab erläuterte GenLt Halbauer die Besonderheiten des von ihm geführten multi- nationalen Großverbandes mit dem Status eines High Readiness Commands, bei dem nicht nur die beiden Framework Nations Bundesrepublik Deutschland und Königreich der Niederlande jeweils ca. 40 Prozent des Personals stellen, sondern dem weitere 13 Nationen angehören. Verkürzt und pointiert dargestellt, verbindet dieses seit nunmehr über 20 Jahre bestehende Korps erfolgreich deutsches Organisationstalent mit niederländischem Pragmatismus und Internationalität.

Im Hauptteil des Vortrages wurden dann die umfassenden Herausforderungen aufgezeigt, die mit der Gestellung einer VJTF verbunden waren bzw. sind. Die von GenLt Halbauer geschilderten Erfahrungen decken sich weitestgehend mit denen von USAREUR, zu denen am 10.01.2016 der Chef des Stabes USAREUR, der deutsche BrigGen Markus Laubenthal, vor dem RK West vorgetragen hat. Dabei zeigte sich u.a., dass Vieles, was noch vor zwanzig Jahren bei Volltruppenübungen der Korps real geübt werden konnte und mittlerweile virtuell durch Simulation mit Computern ersetzt wurde, wieder neu erfahren werden musste. Die letzte große NATO-Übung Strong Resolve liegt inzwischen mehr als eine Dekade zurück und die sicherheitspolitischen Gegebenheiten in unserem regionalen Interessensbereich haben sich in dieser Zeitspanne doch gewaltig verändert – nicht zum Vorteil des westlichen Bündnisses. Insofern war die Zeit überreif für eine Großübung, für die GenLt Halbauer mit Blick auf die enormen Anforderungen nicht den Begriff „Übung“, sondern „Einsatz“ verwandte.

Besuch DE/NL/NOR/USA VgMin in Münster

Beispielhaft kam dies mit der strategischen Verlegeübung „Noble Ledger“ zum Ausdruck, bei der 2014 rund fünftausend Soldaten und Großgerät einschließlich Munition und Versorgungsgütern aus Dänemark, den Niederlanden und Deutschland nach Norwegen verlegt wurden. Abschließender Höhepunkt der VJTF-Erprobungsphase war die Großübung Trident Juncture im Herbst 2015 in Südwest- und Südeuropa, im Mittelmeer und dem Atlantik, an der mehr als 36.000 Soldaten aller Teilstreitkräfte aus über 30 NATO- und Partnerstaaten teilnahmen und mit Vollausstattung übten. Angesichts dieser Dimensionen wurde dann auch ersichtlich, weshalb der Vortragende das Ganze weniger als Übung, sondern mehr als Operation und damit Einsatz bezeichnete. GenLt Halbauer wies darauf hin, dass die Übungsvorbereitung achtzehn Monate in Anspruch nahm; Schwerpunkt für die NRF ist insofern nicht die eigentliche Übung, sondern die Übungsvorbereitung, die es zu verkürzen gilt. Eine wesentliche Erkenntnis war u.a., dass „Notice to effect“ entscheidender ist als das bislang eher im Blickpunkt stehende „Notice to move“. Nach einer Verschnaufpause wird sich das I. GE/NL Korps schon im Jahr 2019 erneut dieser Herausforderung stellen.

Trotz zweier zeitgleich in Bonn stattfindender sicherheitspolitischer bzw. militärgeschichtlicher Veranstaltungen war die Resonanz der Mitglieder des RK West erfreulich hoch. Das Interesse an der Thematik zeigte sich auch in der abschließenden Diskussion, bei der der Vortragende, der erkennbar gerne nach Bonn gekommen war, den einen oder andern Punkt nochmals vertiefen konnte.

Dr. Jürgen Blätzinger, Generaloberstabsarzt a.D.

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