„Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum: Eine Antwort auf aktuelle und zukünftige hybride Bedrohungsszenarien?“ – RK West am 08. 01. 2018

Das immer bedeutsamer werdende Thema „Cyber“ hatte im RK West bereits mehrfach im Mittelpunkt gestanden – zuletzt im Januar 2014, als die Reaktion der NATO auf die strategische Herausforderung Cyber-Sicherheit thematisiert wurde. Darüber hinaus waren in mehreren Veranstaltungen die deutschen Planungen zur Aufstellung eines eigenen Organisationsbereichs „Cyber- und Informationsraum (CIR)“ umrissen worden. Nachdem das neue Kommando Mitte 2017 mit Sitz in Bonn seine Aufgaben aufgenommen hatte, erschien es an der Zeit, die Kenntnisse darüber zu vertiefen. In Vertretung des Inspekteurs hatte dankenswerter der Stellvertreter des Inspekteurs und Chef des Stabes Kdo CIR, GenMaj Michael Vetter, diese Aufgabe kurzfristig übernommen.
GenMaj Vetter zeigte einführend auf, dass der Fortschritt durch zunehmende Digitalisierung aufgrund der unvermeidlichen Abhängigkeit vom Funktionieren dieser Systeme auch ein erhebliches neues Bedrohungspotenzial aufweist, und unterlegte diese Feststellung mit mehreren signifikanten Beispielen von Cyberangriffen der letzten Jahre.
Mit Hinweis auf die Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland des BMI führte er sodann aus, welche Schutzvorkehrungen gegen diese Bedrohungen Staat und Gesellschaft treffen sollten. Dies sei selbstverständlich eine gesamtstaatliche Aufgabe, für die allerdings die Bw mit dem neuen Organisationsbereich CIR einen bedeutenden Beitrag leiste. Dessen wesentliche Säulen seien der Schutz und Betrieb des IT-Systems der Bw, das Militärische Nachrichtenwesen, Aufklärung und Wirkung im CIR, die GeoInfo-Unterstützung und der Beitrag zur gesamtstaatlichen Cybersicherheit/-verteidigung.  GenMaj Vetter stellte sodann Auftrag und Aufgaben im Einzelnen sowie die Aufstellungsschritte des Kommandos dar, das bis zum Jahr 2021 seine volle Operationsfähigkeit in allen Bereichen erreichen soll. Die im CIR gebündelten neuen Cyberfähigkeiten umfassen den Verbund von Aufklärung und Wirkung, ein Gemeinsames Lagezentrum CIR, ein Zentrum Cybersicherheit, ein Zentrum Cyberoperationen sowie ein Zentrum Softwarekompetenz.
Das für diese Aufgaben erforderliche Personal einschl. einer Cyber-Reserve zu gewinnen und angemessen zu führen, stelle eine besondere Herausforderung dar, sei aber auf einem guten Weg. Den Besonderheiten dieser Laufbahn werde durch ein eigenes „Karrieremodell Cyber-ITDst Bw“ Rechnung getragen. Auch auf anderen Feldern würden neue Wege beschritten: U.a. mit einem Cyber Cluster an der Universität der Bundeswehr München sowie einem „Cyber Innovastion Hub“ zur Förderung von Start-Ups wolle man die Innovationsrate erhöhen, den Prozess der Digitalisierung der Bundeswehr beschleunigen sowie geeignete Cybertalente ausfindig machen und integrieren.
In seiner Zusammenfassung machte GenMaj Vetter noch einmal deutlich, dass Deutschlands Freiheit auch im Cyberraum verteidigt werde und der neue Organisationsbereich CIR mit seinen Fähigkeiten einen wichtigen Beitrag zur gesamtstaatlichen Aufgabe der Cybersicherheit und Resilienz leiste.
In der folgenden ausführlichen Aussprache spielte neben vielen anderen Themenfeldern auch die Frage eine Rolle, inwieweit Cyberattacken ggf. auch offensiv beantwortet werden sollten. Dabei wurde deutlich, dass ein offensiver Ansatz neben anderen Implikationen schon durch die Schwierigkeit, den oder die Angreifer zweifelsfrei zu identifizieren,  auf enge Grenzen stößt.
Der sehr informative Vortrag und die offene Aussprache wurden von den Teilnehmern als außerordentlich gewinnbringend betrachtet.

Jürgen Ruwe, Generalleutnant a.D.

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