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Aug 28 2013

Leserbrief zu „Zum Tode von Hélie de Saint Marc““ in der F.A.Z. vom 28.08.2013 von Jürg Altwegg

Beitrag von Generalmajor a.D. Millotat:

Das Bild in der F.A.Z. vom 28.08. 2013 unter der Überschrift „Zum Tode von Hélie de Saint Marc“ zeigt die Verleihung des Großkreuzes der Ehrenlegion, der höchsten Stufe dieses von Napoléon Bonaparte geschaffenen und erstmals 1804 verliehenen Ordens, an den im Alter von 91 Jahren 2013 verstorbenen französischen Major a.D. durch Staatspräsident Sarkozy im November 2011.

Es zeigt nicht, wie Ihr Autor schreibt, die Rückgabe dieses Ordens an diesen früheren Offizier. Major Hélie de Saint Marc hatte als das Kommando führender Offizier in Vertretung seines auf Urlaub befindlichen Kommandeurs mit dem 1. Fallschirmjägerregiment der Fremdenlegion den Putsch der Generale Jouhaud, Salan, Challe und Zeller vom 21. bis 25. April 1961 in Algier gegen die von Staatspräsident General Charles de Gaulle geführte französische Regierung militärisch abgesichert und wurde wie die Putschgenerale zu 10 Jahren Haft verurteilt. Fünf Jahre später wurde er begnadigt. 1978 erhielt er seine zivilen und militärischen Rechte zurück. Bereits 1979 ernannte ihn Staatspräsident Guiscard d´Estaing als „Deportierter und Mitglied der Résistence“ zum Kommandeur der Ehrenlegion und nahm ihn wieder in diesen Orden auf. Die Ehrenlegion in einer niedrigeren Stufe war ihm mit seiner Verurteilung als Putschist aberkannt worden. 2011 wurde er in der Ehrenlegion, die die Stufen „ Ritter“, „ Offizier“, „ Kommandeur“ und die beiden Auszeichnungen „ Großoffizier“ und „ Großkreuz“ umfasst, in seiner Eigenschaft als Persönlichkeit und Schriftsteller „ befördert“.

Dieser Vorgang zeigt, dass in Frankreich eine Kultur des Verzeihens und Vergebens gepflegt wird, die es in Deutschland nicht gibt. Bei uns wäre es unvorstellbar, dass ein zu langjähriger Haftstrafe verurteilter Putschist gegen die Regierung durch Einsatz ihm unterstehender Soldaten wegen anderer Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet würde. Auch die die kontroverse Diskussion um die Tradierwürdigkeit von Soldaten der früheren Wehrmacht, selbst wenn sie im Zweiten Weltkrieg nicht in Verbrechen der Nationalsozialisten verstrickt waren, macht deutlich, dass es bei uns eine solche Kultur des Verzeihens und Vergebens nicht gibt und wohl auch nicht geben wird. Auch über unbescholtene Soldaten der Wehrmacht wird im günstigsten Fall bei uns die Strafe der altrömischen Damnatio Memoriae allzu gerne verhängt.

Und noch etwas erstaunt mich: Ihre Zeitung würdigt ausführlich einen umstrittenen und gerichtlich bestraften französischen Offizier. Am 26. Juli 2013 ist der frühere Inspekteur des Heeres und Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Europa Mitte, der General a.D. Hans- Henning von Sandrart, verstorben. Er hat die Verteidigungsvorbereitungen der Zentralregion zwischen Hamburg und den Alpen mit der größten Konzentration an Truppen der NATO und des Warschauer Paktes im Kalten Krieg durch sein Wirken professionell gekrönt. Eine solch herausregende, bei unseren Verbündeten hoch angesehene Soldatenpersönlichkeit und ihr Wirken ist offenbar in Ihrer Zeitung keiner Würdigung wert.

 

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