Apr 29 2015

„Das Deutsche Heer im Einsatz – Sachstand und Ausblick“ – Gemeinsame Vortragsveranstaltung des Regionalkreises West und der Sektion Köln/­Bonn der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik am 16. 03. 2015 mit Generalleutnant Dipl.-Kfm. Jörg Vollmer

Generalleutnant Vollmer, Kommandeur Einsatz und Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres, gab zunächst einen Überblick über die vielfältigen Einsätze des Heeres. Auch nach der Beendigung des ISAF-Einsatzes ist das dort eingesetzte Kontingent mit neuem Auftrag unter dem Leitmotiv von „Train, Advice and Assist“, also dem Ausbilden, Beraten und Unterstützen der afghanischen Sicherheitskräfte, das umfangreichste des Heeres. General Vollmer, der in besonderer Weise mit den Verhältnissen in Afghanistan vertraut ist, weil er in den Jahren 2009 und 2011 das Regionalkommando Nord in Afghanistan selbst geführt hatte, stellte das Konzept für die Mission „Resolute Support“ vor, wie die neue Operation dort genannt wird.


Man bezeichnet das Grundkonzept bildhaft als „Nabe- und Speichenmodell“, wobei die afghanische Hauptstadt Kabul die „Nabe“ und strategisch wichtige Städte in der Fläche des Landes die „Speichen“ darstellen. In seiner zweiten Phase – möglicherweise ab 2016, abhängig von noch ausstehenden Entscheidungen vor allem der USA – soll sich die Unterstützung dann mit einem verringerten Kräfteansatz auf die Hauptstadt Kabul konzentrieren.
Die Bundeswehr führt das Ausbildungskommando im Norden des Landes (TAAC North) mit einer Obergrenze von 850 Soldaten. Insgesamt gehören derzeit rund 12.000 Soldaten und Soldatinnen zu Resolute Support. Neben den Mitgliedsstaaten der NATO beteiligen sich 14 weitere Nationen an dem Einsatz.
General Vollmer betonte, dass er den militärischen Einsatz in Afghanistan angesichts dessen, was dort seit 2001 erreicht worden sei, als erfolgreich ansehe, und zeigte sich hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Sicherheitslage in dem Land als durchaus optimistisch. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien auf einem guten Weg, die Stabilität in dem Land auch nach Abzug der ausländischen Kräfte sicherzustellen.
Im Folgenden beleuchtete General Vollmer die übrigen Einsätze des Heeres, vor allem den zur Unterstützung der European Training Mission in Mali.
Angesichts der Annexion der Krim durch Russland und der aktuellen militärischen Auseinandersetzungen in der Ost-Ukraine fanden die Reaktion der NATO darauf und die Beteiligung des Deutschen Heeres daran, das besondere Interesse der Zuhörer. Dies betrifft zum einen die Verstärkung des Multinationalen Korps Nordost in Stettin, zum anderen den Aufbau eines besonders schneller Einsatzverbandes – Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) – unter der Ägide des I. Deutsch-Niederländischen Korps in Münster.
Einen breiten Raum sowohl im Vortrag General Vollmers als auch in der anschließenden Aussprache nahmen die Maßnahmen ein, mit denen das Heer die politischen Vorgaben der Bundesministerin der Verteidigung zur Verbesserung der Einsatzfähigkeit der Bundeswehr umsetzen will. Neben den strukturellen Veränderungen im Bereich der Panzertruppe steht für das Heer die allgemeine Verbesserung der materiellen Einsatzbereitschaft im Vordergrund. Dabei steht vor allem das sog. Dynamische Verfügbarkeitsmanagement, mit dem die Minderausstattung der Truppenteile ausgeglichen werden sollte, auf dem Prüfstand.
In der Diskussion wurden vereinzelt Zweifel laut, ob diese Maßnahmen von ihrer Dimension her der signifikanten Lageveränderung in Europa gerecht würden.
Über die dargestellte Thematik hinaus wurde ein breites Spektrum weiterer Fragen behandelt von den Möglichkeiten und Grenzen zur internationalen Zusammenarbeit bis hin zur Sinnhaftigkeit einer Europa-Armee. Dabei zeigte sich General Vollmer auf allen Gebieten nicht nur bis ins Detail informiert, sondern vermochte auch seine Einschätzungen mit klaren und nachvollziehbaren Argumenten überzeugend darzulegen.
Zusammenfasend ist festzustellen, dass diese Vortragsveranstaltung hochinformativ und außerordentlich anregend war.
Sowohl Oberst a.D. Josef Schuler für die Sektion Köln/Bonn der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik in seiner Begrüßung als auch Generalleutnant a.D. Jürgen Ruwe für den Regionalkreises West der Clausewitz-Gesellschaft in seiner thematischen Einführung dankten der Deutschen Post AG für die Unterstützung der Veranstaltung. Viele Teilnehmer nutzten im Anschluss an diese Veranstaltung auch das freundliche Angebot der Post, an einer Führung durch den Posttower teilzunehmen.

Jürgen Ruwe, Generalleutnant a.D.

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